Monday, February 01, 2010
Die Rache der Deutschen

Ich hatte im Supermarkt den Einkaufswagen leergeräumt, das letzte Joghurt aufs Fliessband gelegt und gönnte mir eine kurze Verschnaufpause. Schon begann mein Hintermann sich zu Räuspern. Irgendetwas war nicht in Ordnung. Ich blickte an mir rauf und runter, alles war wie immer. Bevor ich weitersuchen konnte, unterbrachen meine Töchter die Fehlersuche lautstark: «Papi, meer wänd Schläckzüüg!» Die Kleinere hüpfte auf und ab, die Grössere versuchte an die Lollis auf der anderen Seite des Bandes zu kommen.
Ich vertröstete die Beiden auf den Besuch im Restaurant. Der Hintermann hampelte ungeduldig von einem Bein aufs andere und schaute mich grimmig an. Ich blickte ebenso grimmig zurück, schliesslich hat mir niemand in die Erziehung reinzureden. Doch das schien den Mann noch rasender zu machen. Sein Gesicht lief langsam rot an, auf der Stirn bildeten sich Schweisstropfen. Immer noch starrte er mich an. Seine Nasenflügel zitterten. In seinen Augen wich der Ärger einer Fassungslosigkeit. Ich kontrollierte noch einmal, ob ich Hosen anhabe. Ja. Und der Reissverschluss war auch zu. Sogar rasiert war ich an diesem Tag.
Die Kinder hatte ich unterdessen mit dem Einkaufswagen ans Ende der Kasse geschoben, die konnten also auch nicht das Problem sein. Die Kassiererin war schon bald fertig mit scannen, da fiel mir auf, dass der Mann noch immer nichts aufs Band gelegt hatte. Erst jetzt streckte er langsam seine zittrigen Finger zum Kundentrennstab. Mit vorwurfsvoller Miene nahm er diesen und legte ihn hinter mein Joghurt. Er murmelte etwas Unverständliches, schüttelte seinen Kopf und blickte entsetzt weg. Schon fragte die Kassiererin: «Händ Sie Superkart?»
Erst jetzt fiel es mir auf: Ich hatte den Stab vergessen. Und der arme Mann war derart überfordert mit der Situation, dass ihm vor Ärger die Worte im Hals stecken blieben. Das war mir noch nie aufgefallen, vermutlich hatte ich bisher immer zur Zufriedenheit der Hinterleute funktioniert.
Jetzt wollte ich es wissen. Ich legte beim einkaufen den Trennstab absichtlich nicht hin. Mal zögerte ich ein wenig länger damit, mal hielt ich die Spannung nicht so lange aus. Die Reaktion folgte jeweils sofort: Manche Hinteleute rissen verärgert den Trennstab aus seiner Halterung und knallten ihn aufs Band, um sofort ihre Einkäufe einzureihen. Viel öfter beobachtete ich aber dieselbe Reaktion wie beim ersten Mal. Menschen, die innerlich kochten, mich verzweifelt anstarrten und fassungslos dastanden: Sie konnten es offenbar nicht wahr haben, dass da jemand die heilige Ordnung durcheinander brachte. In ihren Augen las ich: Mach den Stab hin!
Später lese ich, dass die Deutschen umgekehrt funktionieren. Wer in Deutschland an die Kasse kommt, legt als erstes den «Warentrenner» hinter die Einkäufe seines Vordermannes aufs Band. Der Kundentrennstab könnte für die Deutschen hier in der Schweiz zur Folterwaffe im täglichen Kleinkrieg werden.
Comments:
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also ich machs wie die deutschen und komme damit gut durch die kasse. vielleicht sind deine töchter so süss und alle neidisch? oder hast du ne komische frisur? viel zu knackigen hintern?
wenn mir einer so kommt wie du und einfach den stab verweigert, leg ich meine einkäufe OHNE STAB hinter sein zeug; das halten die stärksten nerven nicht aus und ruckzuck ist das ding da, wo es hingehört ;-)
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