Tuesday, July 08, 2008
Zürich, Stockholm, Helsinki
29. Juni 2008, 22.36 Uhr: Spanien steht als Europameister fest. Die quirligen Giftzwerge haben die stolzen deutschen Recken niedergerungen. Das Turnier hat seinen Sieger gefunden. Am nächsten Tag werden sich alle einig sein, dass die EM für einmal einen gerechten Champion hervorgebracht hat. Im TV kann man sich an enttäuschten deutschen Kickern laben, die zusehen müssen, wie die Spanier ihren greisen Trainer hochleben lassen. An der Zürcher Langstrasse, der Schweizer Dauer-Fanmeile, ein ähnliches Bild. Einige Deutsche Touristen, die sich von Deutschen Einwanderern ins Zürcher Nachtleben einführen lassen, schleichen in ihren weissen Nationaltrikots und mit gesenktem Haupt den Häusern entlang. Auf der Strasse regieren die Spanier. Aber halt: Was sind denn das für Spanier? Zwar auch klein und gedrungen, wie die meisten unter Ihnen, doch mit einer Hautfarbe und einer Sprache, die nachweislich nicht in der nördlichen Erdhalbkugel bevorzugt verwendet wird.
Da waren sie also: Mit spanischen Flaggen, T-Shirts, Mützen geschmückte Südamerikaner, die den Europameistertitel ihrer ehemaligen Unterdrücker feierten. Der Erfolg verbindet offenbar nicht nur Katalanen und Basken für kurze Zeit mit ihrem König, sondern auch die ehemaligen Kolonien kuscheln nach langer Zeit wieder mit. Das lässt sich einzig mit dem Stockholm-Syndrom erklären. Die Unterdrückten sympathisieren zum Selbstschutz mit ihrem Unterdrücker.
Und die Deutschen? Auch sie unterwarfen sich. In einem stadtbekannten Klub spielte am selben Abend wie immer am Sonntag die Hausband auf. Dahin verirrte sich auch eine Gruppe Deutscher, die eine Spanierin im Schlepptau hatten. Oder wohl eher umgekehrt: Der eine Deutsche – ein klassisches Exemplar des deutschen Studenten einer nicht exakten Wissenschaft, mit abgesägten Cargo-Hosen, barfuss, gestreiftem Leinenhemd und dem obligaten Bockbärtchen – war besonders angetan von den Hüftverrenkungen der Spanierin. Er balzte nicht nur, er versuchte beim Tanz auch die psychomotorischen Zuckungen zu kopieren. Das hätte er besser sein lassen: Bei einer besonders wilden Bewegung verschüttete er eine beträchtliche Menge Bier. Das war ihr Bier. Sofort kniete er sich vor sie hin und flehte um Vergebung. Die gestrenge Meisterin befahl ihm, das Bier vom Boden zu lecken. Der Deutsche tat wie ihm befohlen.
Da waren sie also: Mit spanischen Flaggen, T-Shirts, Mützen geschmückte Südamerikaner, die den Europameistertitel ihrer ehemaligen Unterdrücker feierten. Der Erfolg verbindet offenbar nicht nur Katalanen und Basken für kurze Zeit mit ihrem König, sondern auch die ehemaligen Kolonien kuscheln nach langer Zeit wieder mit. Das lässt sich einzig mit dem Stockholm-Syndrom erklären. Die Unterdrückten sympathisieren zum Selbstschutz mit ihrem Unterdrücker.
Und die Deutschen? Auch sie unterwarfen sich. In einem stadtbekannten Klub spielte am selben Abend wie immer am Sonntag die Hausband auf. Dahin verirrte sich auch eine Gruppe Deutscher, die eine Spanierin im Schlepptau hatten. Oder wohl eher umgekehrt: Der eine Deutsche – ein klassisches Exemplar des deutschen Studenten einer nicht exakten Wissenschaft, mit abgesägten Cargo-Hosen, barfuss, gestreiftem Leinenhemd und dem obligaten Bockbärtchen – war besonders angetan von den Hüftverrenkungen der Spanierin. Er balzte nicht nur, er versuchte beim Tanz auch die psychomotorischen Zuckungen zu kopieren. Das hätte er besser sein lassen: Bei einer besonders wilden Bewegung verschüttete er eine beträchtliche Menge Bier. Das war ihr Bier. Sofort kniete er sich vor sie hin und flehte um Vergebung. Die gestrenge Meisterin befahl ihm, das Bier vom Boden zu lecken. Der Deutsche tat wie ihm befohlen.